Chlorinität, Salinität und die Dichte des Meerwassers
Zu den wichtigsten physikalisch-chemischen Eigenschaften des Meerwassers gehören die Chlorinität, die Salinität und die Dichte. Diese hängen in erster Linie von den Konzentrationen der wichtigsten Grundbestandteile des Meerwassers ab:
Chlorinität, Salinität und die Dichte des Meerwassers
Zu den wichtigsten physikalisch-chemischen
Eigenschaften des Meerwassers gehören die Chlorinität, die Salinität
und die Dichte. Diese hängen in erster Linie von den Konzentrationen
der wichtigsten Grundbestandteile des Meerwassers ab:
Cl-
Na+
Mg2+
SO42-
Ca2+
K+
Diese Ionen bilden 99,8% der im Meerwasser gelösten Stoffe (Natriumchlorid
allein 86%). Alle oben genannten Grundbestandteile stehen in einem proportionalen
Verhältnis zueinander, der Gehalt eines Salzes kann deshalb unter definierten
Temperatur- und Druckverhältnissen reproduzierbar aus dem Gehalt der anderen
Salze abgeleitet werden. Für einen Meerwasseraquarianer stellt sich die Frage,
welche Größe primär gemessen werden soll? Warum? Und wie? Was kann man aus
den Ergebnissen ableiten?
Salinität
Die am häufigsten verwendete Bezeichnung für den "Salzgehalt" des
Meerwassers wird wie folgt definiert:
S(‰) = (Gesamtgewicht der gelösten anorganischen
Ionen (g) / 1 kg Meerwasser) * 1000
In 99% des Salzwassers aller Weltmeere bewegt sich der Salinitätswert
im Bereich von 33 - 37‰, der durchschnittliche Salzgehalt liegt bei 35‰,
was 35g gelöstem Salz in 1l Wasser entspricht. Die Salinität des Meerwassers
ist am genauesten (± 0,001‰) mit einem guten induktiven Salzgehaltmesser
festzustellen, da die elektrische Leitfähigkeit des Wassers von der Menge
der gelösten Salze abhängig ist.
Spezifische Anwendung in der Meerwasseraquaristik:
Das Messen des Salzgehalts mit einem Leitfähigkeitsmesser setzt voraus,
dass im Meerwasser nur vernachlässigbare Mengen weiterer Stoffe gelöst sind,
die die Leitfähigkeit beeinflussen. Das sind:
Spurenelemente und weitere mineralische Nährstoffe
Gelöste organische Stoffe (DOM)
Diese Voraussetzung ist jedoch bei Wasser aus einem Meerwasserbecken
nicht in jedem Fall erfüllt.
Dichte
Die Dichte wird folgt definiert:
ρ (g/cm3) = Gewicht (g) eines Kubikzentimeters
(cm3) = Gewicht (kg) eines Liters (l) Meerwasser
Die Dichte von Meerwasser hängt stark von der Temperatur und dem Luftdruck
ab und eignet sich daher nicht als primärer Messparameter - sie wird überwiegend
von der Salinität oder der Chlorinität abgeleitet, die sich wesentlich
einfacher und genauer messen lassen.
Chlorinität
Die Chlorinität wird definiert als:
Gesamtgewicht (g)
der Chlorid- (Cl-), Bromid- (Br-)
und Iodid- (I-) Ionen (letztere umgerechnet
auf Chloride), die aus 1 kg Meerwasser mithilfe von Silberionen (Ag+)
ausgefällt werden können.
Laut dieser Definition wird die Chlorinität in g/kg angegeben, resp.
unter gegebener Temperatur (und auch der Dichte) kann sie auch in g/l angegeben
werden.
Warum man den "Salzgehalt" messen sollte
NaCl bildet gleichsam das 'Fundament' bei der Zusammensetzung von
Meerwasser. Deshalb sollte kontrolliert werden, ob es in der richtigen
Konzentration vorliegt. Im Unterschied zu natürlichem Meerwasser mit
konstantem NaCl-Gehalt kann dieser in Meerwasseraquarien schwanken. Die
Konzentration von NaCl kann in folgenden Fällen z.T. erheblich von natürlichem
Meerwasser abweichen:
Wasserwechsel - Konzentration von NaCl im verwendeten Meersalz
Risiko einer NaCl-Abweichung in beide Richtungen
Anwendung der Balling Methode
Risiko einer NaCl-Abweichung in beide Richtungen
Anwendung von Zusätzen (vor allem Kalzium und Magnesium) auf Chlorid-Basis
langfristiger Anstieg der NaCl-Konzentration
Auswahl der primären Messgröße für die Meerwasseraquaristik
Nachteile
Vorteile
Salinität
Anschaffung eines teuren Messgeräts erforderlich
Maximale Genauigkeit
Ungenaue Messergebnisse bei hoher Konzentration von Spurenelementen,
anderen mineralischen Nährstoffen oder gelösten organischen Stoffen (DOM)
in der Probe
Dichte
Abhängigkeit von Temperatur (und Luftdruck)
Die Dichte kann als Richtwert schnell bestimmt werden.
Maximal mögliche Genauigkeit nicht ausreichend für die
aquaristische Praxis
Ermöglicht keine Aussage, ob die Zusammensetzung des
Meerwassers korrekt ist - eine bestimmte Dichte kann theoretisch durch
eine unendliche Anzahl unterschiedlich kombinierter Ionen-konzentrationen
bedingt sein.
Chlorinität
Der Titriertest muss sehr sorgfältig durchgeführt
werden
Hohe Messgenauigkeit
Die Messergebnisse hängen vor allem von der Konzentration des Chlorid-Iones
ab, bilden also den NaCl-Gehalt ab.
Wie wird die Chlorinität gemessen und das Messergebnis interpretiert?
Die Chlorinität kann durch die Titration einer geringen Menge Meerwasser
mit Silbernitrat-Lösung (AgNO3) sehr genau bestimmt werden, wenn die in
der Probe eventuell vorhandenen Störfaktoren bekannt sind.
Wie bereits geschildert, können bei gegebener Temperatur Salinität,
Dichte und Chlorinität empirisch voneinander abgeleitet werden. In der
aquaristischen Praxis ist die wichtigste Beziehung diejenige zwischen
Chlorinität und Dichte - siehe die nachfolgende Tabelle für 25°C:
Salinität
Dichte
Chlorinität
‰
kg/l
g/l
42,50
1,029
22,86
41,00
1,028
22,08
40,00
1,027
21,56
38,50
1,026
20,77
37,00
1,025
19,98
36,00
1,024
19,46
34,50
1,023
18,67
33,00
1,022
17,88
32,00
1,021
17,35
30,50
1,020
16,55
Wenn Meerwasser (zumindest im Hinblick auf NaCl) in seiner Zusammensetzung
natürlichem Meerwasser entspricht, kann mit Hilfe der Tabelle aus dem Messwert
der Chlorinität direkt die Dichte des Wassers bei 25°C abgeleitet werden.
Zwischen der Chlorinität und der Dichte/Salinität besteht also ein unmittelbarer
Zusammenhang.
Für eine Kontrolle der Messung sind folgende Schritte durchzuführen:
möglichst genau die Dichte bei 25°C bestimmen (am besten mit einem
guten Refraktometer)
das Ergebniss ist die reale Dichte der Probe
die Chlorinität der Probe bei 25°C mit einem geeigneten Test bestimmen
aus der Tabelle die theoretische Dichte der Probe ablesen
In folgenden Fällen besteht ein Messproblem:
die reale und die theoretische Dichte unterscheiden sich um 10%
oder mehr
(mindestens 2 Tabellenzeilen)
die reale und die theoretische Dichte unterscheiden sich zwar nicht,
sind aber wesentlich höher oder niedriger (10% oder mehr) als der
aufgrund der Dosierung des Meersalzes oder den Parametern der Balling-Methode
erwartete Wert
Ausführliche Informationen zur Auswertung der Dichte- und Chlorinitätmessungen
und zur Vorgehensweise bei problematischen Messwerten sind schon bald im
neuen Artikel zu finden.
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