Wasserwechsel, Zusätze oder beides? |
Einführung |
In letzter Zeit haben wir einige Artikel veröffentlicht, die sich
mit dem Unterhalt des Meerwasseraquariums aus der Sicht des Wasserwechsels
und des Ergänzens verbrauchter Neben- und Spurenelemente durch Zusätze
befassten. Angesichts der Vielzahl an direkten Fragen und Diskussionen
in Internetforen haben wir uns entschlossen, die ursprünglichen Beiträge
zusammenzufassen, zu ergänzen und uns der ganzen Problematik in komplexer
Weise zu widmen.
Nehmen wir den Wasserwechsel und die Verwendung von Zusätzen als Maßstab,
so können wir die Aquarianer in folgende Gruppen einteilen:
(In allen Fällen wird unabhängig davon die Ergänzung
von Ca, Mg und Karbonaten vorausgesetzt) |
| Wasserwechsel |
Verwendung von Zusätzen |
Ja |
Nein |
| regelmäßig |
Mehrheit |
Minderheit |
| keiner |
Minimum |
- |
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Becken, die langfristig ohne Wasserwechsel betrieben werden, gibt
es zwar auch, doch ihre Anzahl ist vernachlässigbar. Deshalb möchten
wir uns im folgenden Text vor allem jenen Aquarianern widmen, die einen
bestimmten Teil des Meerwassers im Aquarium regelmäßig wechseln. Es stehen
sich hier 2 völlig unterschiedliche Ansätze gegenüber, die sich vereinfacht
wie folgt charakterisieren lassen:
- Wasserwechsel + Verwendung von Zusätzen
- Nur Wasserwechsel allein –
der Verbrauch von Neben- und Spurenelementen
wird durch ihre höhere
Konzentrationen im Meersalz aufgewogen
|
Arten der Meersalze |
Der Unterschied zwischen den einzelnen Ansätzen ist nicht das einzige
Problem. Es gibt nämlich zwei Arten von Meersalz – mit natürlicher und
mit erhöhter Konzentration an Neben- und Spurenelementen. Höchstwahrscheinlich
wird eine ganze Reihe von Aquarianern nach dem Lesen dieser Zeilen feststellen,
dass sie über diese Tatsache noch nie wirklich nachgedacht haben.
Es können also folgende Situationen eintreten: |
Wasserwechsel
Art des verwendeten Salzes je nach der Konzentration der Neben- und Spurenelemente |
Verwendung von Zusäzten |
| natürlich konzentriert(a) |
Nein |
| angereichert(b) |
Nein |
| natürlich konzentriert |
Ja |
| angereichert |
Ja |
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(a) Das Salz enthält gerade so viel Neben- und Spurenelemente, dass
nach dem Auflösen eine getreue Nachbildung des Meerwassers mit natürlicher
Konzentration aller dieser Elemente entsteht.
(b) Das Salz hat gegenüber natürlichem Meerwasser eine bis zu 100mal
höhere Konzentration der Neben- und Spurenelemente. In der Lösung liegt
die Konzentration an Neben- und Spurenelementen dreimal höher als in natürlichem
Meerwasser. |
Wasserwechsel |
| |
Warum wechseln wir eigentlich
das Wasser? Auf
diese Frage haben verschiedene Aquarianer unterschiedliche Antworten.
Der eine wechselt das Wasser, um unerwünschte Stoffe zu beseitigen,
vor allem solcher, die nicht durch die klassischen Methoden (flüssige
Entferner, Sorbentien, Abschäumer u. ä.) zu entfernen sind, ein anderer
dagegen zum Nachfüllen verbrauchter Spurenelemente, und wieder jemand
anderes wechselt das Wasser ohne nachzudenken einfach deshalb, weil es
so sein soll – genau so, wie etwa ein Zimmer ab und zu gelüftet werden
soll. Und alle genannten Antworten sind mehr oder weniger richtig.
Der Wasserwechsel im Meerwasseraquarium stellt – so wie das Lüften in
einem Raum – den Austausch eines Teils der Lebensumwelt eines lebenden
Organismus dar. Ein Teil der unerwünschten Stoffe wird aus dem Wasser entfernt
(leider aber immer zusammen mit einem Teil der erwünschten Stoffe), und
sofern für die Herstellung des Meerwassers Salz von höchster Reinheit verwendet
wird, gelangen keine unerwünschten Stoffe in das System zurück – damit kommt
es zur Abnahme ihrer Konzentration und zu einer Verbesserung der Situation.
Was die Neben- und Spurenelemente angeht, ist die Situation nicht mehr
so eindeutig, und wir werden sie daher näher unter die Lupe nehmen. |
Ist also für die langfristige Komplettpflege des Meerwasseraquariums
ein regelmäßiger Wasserwechsel unter Verwendung eines geeigneten Meersalzes
ausreichend, oder ist es besser oder gar unabdingbar – Zusätze zu verwenden? |
Ausgangspunkte |
Um diese Frage beantworten zu können, seien zunächst die Ausgangspunkte
für weitere Überlegungen dargestellt:
- Eine Ermittlung der aktuellen Konzentrationen ist bei den meisten Neben-
und Spurenelemente in der aquaristischen Praxis üblicherweise nicht realisierbar.
- Die Konzentration der Spurenelemente in Meerwasseraquarien sinkt stetig.
Gründe für diese Abnahme sind:
- biologische Vorgänge (der Stoffwechsel der Tiere)
- chemisch-physikalische Vorgänge
(Absorption
an den im System verwendeten Sorbentien,
Entfernung von Spurenelementen
durch Abschäumen und Verdunstung)
- verschiedene, nicht näher spezifizierte, chemische
Reaktionen im System
- Die Geschwindigkeit des Rückgangs der einzelnen Elemente kann sehr unterschiedlich
sein
und liegt im Bereich ein- bis zweistelliger Prozentwerte.
Auf die Langzeitentwicklung der Konzentration von Neben- und Spurelementen
wirken sich in erster Linie die Häufigkeit des Wasserwechsels und die
ausgetauschte Wassermenge, die Art des für die Wasseraufbereitung verwendeten
Salzes und die jeweilige Geschwindigkeit des Rückgangs der einzelnen Elemente
aus.
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Grenzfälle |
Bei einem hypothetischen Spurelement X, dessen Gesamtabnahme im Becken
15 % pro Monat beträgt, können hinsichtlich des Wasserwechsels zwei Grenzfälle
auftreten: |
| Wasserwechsel 0% |
Wasserwechsel 100% |
Das Wasser wird gar nicht ausgetauscht. Der
in der Graphik dargestellte Rückgang der X-Konzentration ist wohl
keine große Überraschung. Nach 24 Monaten sinkt die Konzentration von
X auf 10 % des natürlichen Wertes ab und tendiert gegen null. |
Monatlich wird der gesamte Beckeninhalt ausgetauscht.
Es wird ein Salz mit einer solchen Konzentration des Elements X verwendet,
dass beim Wasserwechsel dessen Rückgang gerade ausgeglichen wird. In
diesem Fall schwankt die Konzentration von X in den Intervallen der
Wasserwechsel und ist im Grunde konstant und korrekt. |
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 |
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Diese Grenzfälle haben natürlich nur eine minimale Aussagekraft über
die Realität der aquaristischen Praxis. Wie bereits erwähnt, wird nur
ein Minimum der Becken ganz ohne Wasserwechsel betrieben, während umgekehrt
ein hundertprozentiger Wasserwechsel nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen
unrealistisch ist. Meerwasseraquarien enthalten zudem Dutzende wichtiger
Elemente in unterschiedlichsten Konzentrationen und mit unterschiedlich
raschem Rückgang. |
Analyse |
Parameter |
Der Verständlichkeit halber werden für die folgende Analyse folgende
Ausgangsparameter gewählt: |
| Beckenvolumen |
spielt keine Rolle |
| Wasserwechsel |
Häufigkeit |
1 x pro Monat |
| Menge |
10% |
Art des Salzes
für die Meerwasseraufbereitung |
1) natürliche Konzentration an Neben- und Spurelementen |
| 2) 100x höhere Konzentration an Neben- und Spurelementen gegenüber
der natürlichen |
Untersuchte
Elemente |
1 |
05% Abnahme pro Monat |
| 2 |
25% Abnahme pro Monat |
| 3 |
50% Abnahme pro Monat |
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Erklärungen zu den Diagrammen. |
- x-Achse - gibt die Anzahl der Monate seit dem Zeitpunkt
an, als alle Konzentrationen den korrekten (also natürlichen oder empfohlenen)
Wert hatten.
- y-Achse - die Angabe 100 % steht für die korrekte, d. h. natürliche
oder empfohlene Konzentration des jeweiligen Spurenelements.
- Die Kurven des Konzentrationsverlaufs der einzelnen Elementen sind geglättet
und zeigen nicht die Oszillationen zwischen den Wasserwechseln.
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NATÜRLICH KONZENTRIERTES SALZ – OHNE Verwendung von ZUSÄTZEN |
Das Salz enthält gerade so viel anorganische Stoffe, dass nach dem
Auflösen eine getreue Nachbildung des Meerwassers mit natürlicher Konzentration
aller Spurenelemente entsteht. Es werden keine Zusätze für das gleichzeitige
Nachdosieren von Spurenelementen verwendet. |
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Nach etwa 18 Monaten stellt sich ein stabiler Zustand ein, der durch
eine negative Ionenbilanz charakterisiert ist. Alle Spurenelemente
werden im Becken in wesentlich niedrigerer Konzentration als im natürlichen
Meerwasser vorkommen.
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NATÜRLICH KONZENTRIERTES SALZ – OHNE Verwendung von ZUSÄTZEN |
Das Salz hat gegenüber natürlichem Meerwasser eine bis zu 100mal
höhere Konzentration der Spurenelemente. In der Lösung liegt die Konzentration
an Spurenelementen etwa 3,3mal höher als in natürlichem Meerwasser. Es
werden keine Zusätze für das gleichzeitige Nachdosieren von Spurenelemente
verwendet. |
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Nach etwa 18 Monaten stellt sich ein stabiler Zustand ein, bei
dem teils ein Überschuss, teils ein Defizit der Ionen herrscht.
Die Spurenelemente werden im Becken, je nach ihrem Typ, entweder
in richtiger, in wesentlich höherer oder in niedrigerer Konzentration
vorkommen.
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ANGEREICHERTES SALZ – VERWENDUNG VON ZUSÄTZEN |
Das Salz hat gegenüber natürlichem Meerwasser eine bis zu 100mal
höhere Konzentration der Spurenelemente. In der Lösung liegt die Konzentration
an Spurenelementen etwa 3,3mal höher als in natürlichem Meerwasser. Parallel
dazu werden Zusätze zum Nachdosieren der Spurenelemente verwendet. |
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Nach etwa 18 Monaten stellt sich ein stabiler Zustand ein, der
durch einen einseitigen Überschuss an Ionen charakterisiert ist.
Bei hohen Mengen vor allem von Additivmischungen kann aber die Konzentration
einiger Elemente kontinuierlich steigen. Die meisten Spurenelemente
werden im Becken in wesentlich höheren Konzentrationen als im natürlichen
Meerwasser vorkommen.
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NATÜRLICH KONZENTRIERTES SALZ – VERWENDUNG VON ZUSÄTZEN |
Das Salz enthält gerade so viel anorganische Stoffe, dass nach dem
Auflösen eine getreue Nachbildung des Meerwassers mit natürlicher Konzentration
aller Spurenelemente entsteht. Die verbrauchten Stoffe werden mit Hilfe
von Zusätzen nachdosiert. |
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Die Konzentration der Spurenelemente hängt von den Additiven ab,
sie ist langfristig stabil und den natürlichen Werten nahe. Sofern
bei der Auswahl und Verwendung der Additive mit der gebotenen Sorgfalt
vorgegangen wird, lässt sich so das Problem des Rückgangs und dadurch
auch der niedrigeren Konzentration von Spurenelementen lösen. Die
Überschreitung der natürlichen Konzentrationen ist dabei minimal.
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Eine ausführlige Zusammenfassung und Beschlüsse finden Sie in folgendem Beitrag. |
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